Entspannte Selbstverständlichkeit – was für ein cooles Wortpaar!

Letztens war ich endlich mal wieder selbst Teilnehmerin auf einem Seminar und unsere Leiterin hat u.a. in dieser Zeit diesen Begriff mit uns geprägt: Entspannte Selbstverständlichkeit

Entspannte Selbstverständlichkeit

Die Kehrseite der Selbstverständlichkeit

Bevor ich auf die positive Seite komme, ein kurzer Schwank zur eher negativ besetzen Selbstverständlichkeit.
Wann kommt sie Dir in den Sinn?
Ich kenne es oft eher aus ernüchternden Gesprächen mit Kunden, wenn der Schmerz hoch kommt, dass viel zu lange für sie etwas in ihrer Beziehung z.B. für selbstverständlich genommen wurde.
Es wurde für selbstverständlich gefunden, dass man dieses oder jenes tat, und dass das eben im Lauf der Jahre von anderen als selbstverständlich genommen wurde und demzufolge wenig Wertschätzung erhielt.

Bei Verlustfällen kommt es vielleicht auch hoch, dass man die gemeinsame Zeit oft als viel zu selbstverständlich sah, auch hier nicht wertschätze und jetzt sei es zu spät…

Was ist also die positive Seite der Selbstverständlichkeit – die entspannte Selbstverständlichkeit

Sie gebiert sich aus einem gesunden Selbst-Verständnis heraus…eines, dass aus einem selbst entsteht, weil man sich versteht, weil man sich selbst in seinen Bedürfnissen erkennt und sich um diese kümmert und ihnen Ausruck verleiht.
Entspannt, denn es geht hier nicht um Druck und schon gar nicht darum, dass andere sich dafür zuständig fühlen sollten – es ist ein entspanntes Verhalten im Fluss mit sich selbst.

Wo können wir in entspannter Selbstverständlichkeit mit uns sein?

IMMER HIER UND JETZT – im Grunde ganz einfach, oder? ;-)

Es geht darum, dass wir unseren Bedürfnissen oder Handlungwünschen den nötigen Raum geben, ohne sie durch unsere (moralischen) Filter laufen zu lassen, die oftmals für den Ursprungsimpuls den Tod bedeuten – weil wir es dann eben nicht tun…

Entspannte Selbstverständlichkeit ist Dir selbst das Recht zu geben, Dich in Deinem Rahmen der Möglichkeiten…

  • so zu verhalten, wonach Dir gerade ist
  • so für Dich selbst zu sorgen, dass es Dir gut geht
  • Deine Wahrheit auszusprechen, während Du einfach bei Dir selbst bleibst
  • einen Wunsch zu äußern, ohne dass Du andere in eine Verantwortung zwingst

Es gab auf diesem Seminar auch für mich wunderbare Beispiele von den anderen Teilnehmern, die sich auf schöne Weise in einer entspannten Selbstverständlichkeit verhielten, die für mich und andere inspirierend war.
Zwei Beispiele:
1. ) Während einer Osho-Meditation, die auch viel mit Dynamik und Bewegung zu tun hat, war es einfach einigen sehr warm und im geschützten Rahmen, der natürlich gegeben war, entledigte sich der eine oder andere des einen oder anderen Kleidungstückes, zum einen weil es eben sehr warm wurde, zum anderen, weil es dann einfacher war, im natürlichen Bewegungsfluss mehr Freiheiten und Spielraum zu haben. Und weil jeder bei seiner entspannten Selbstverständlichkeit blieb, war das vollkommen okay – es gab keine verletzte Grenze und es gab die Freiheit so zu sein, wie man sein wollte.
Für mich persönlich war das sogar eine Inspiration, denn das entspannte Selbstverständnis der anderen zeigte mir Verhaltensalternativen, auf die ich selbst in dem Moment nicht gekommen wäre. Ich konnte ganz bei mir bleiben, beobachten und schauen, ob das Verhalten der anderen für mich eine Einladung war, es ihnen gleich zu tun. Es ihnen gleich zu tun, aber nicht, weil ich muss, oder nur weil ich dann Teil der Gruppe sein könnte, nein, es war eine wunderbare Einladung nur zu schauen, ob das eine oder andere für mich gerade auch angebracht wäre.
Manches war der Fall, anderes nicht – ich blieb bei mir, der andere bei sich – jeder in seiner entspannten Selbstverständlichkeit.

2.) Es gab Raum für Austausch und die entspannte Selbstverständlichkeit einfach zu sagen, dass man jetzt nicht will, dass man jetzt lieber schweigen will, oder allein sein will – entspannt für sich sorgen, ohne dass es der andere persönlich nehmen muss. Somit entstand ein wunderbarer Raum des sich Zeigens und Ausdrückens der eigenen Realität, ohne an der Realität des anderen etwas ändern zu wollen oder zu müssen – in einer entspannten Selbstverständlichkeit.

Entspannte Selbstverständlichkeit ist die Einladung zu spüren, was jetzt gerade ist und wie sich das anfühlt. Wenn es sich gut anfühlt, dann entspannt nur so weiter.
Wenn es sich nicht gut anfühlt, dann ist es die Einladung zu schauen, was es für Dich im Hier und Jetzt braucht, um die Situation zu verbessern im Rahmen Deiner Möglichkeiten.
Kann es sein, dass Du dadurch auch mal Hilfe von anderen brauchst? – Ja, das kann sein und es gehört zur entspannten Selbstverständlichkeit, auszudrücken, dass man einen Wunsch hat oder Hilfe braucht.

Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass Dein Gegenüber Dir helfen kann aber nicht muss. Es kann Dich unterstützen, wenn es gerade mehr zu geben hat, als es braucht. Das heißt aber nicht, dass der andere für Deine Hilfe oder Unterstützung verantwortlich ist – das ist ein kleiner, feiner aber wichtiger Unterschied – er belässt Dich und Dein Gegenüber in einer entspannten Selbstverständlichkeit!

Ich lade Dich ein, Deine eigene entspannte Selbstverständlichkeit zu entdecken und ihr Raum und Zeit zu schenken.

Und wenn innere Stimmen kommen, die z.B. sagen, dass das nicht geht oder dass man das doch nicht dürfe – dann sind sind nur liebevolle Hinweise auf Widerstände, Glaubenssätze, Konzepte, die sich zeigen. Es sind kleine Hürden, die Dir somit die Chance geben, dass Du sie anschauen und transformieren kannst, um erneut wieder in einer entspannten Selbstverständlichkeit zu landen…

Die Reise der Selbsterkenntnis geht weiter, die Deine, die meine und unsere gemeinsame – entspannt und selbstverständlich versteht sich ;-)

Natascha Pfeiffer

Über Natascha Pfeiffer

Natascha Pfeiffer, Expansion Method Practitioner und Groupleader, Co-Founder der Agentur PRand communication in Wien. Einzel- und Gruppenarbeit in Wien und Augsburg und via Skype.