Fotocredit cc: Andre Spieker

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Aktuell erscheint mir das Thema „Sich selbst wahrnehmen mit seinen Bedürfnissen und Ängsten“ sehr häufig in unterschiedlichen Facetten in meinem täglichen Tun.
Es ist auch ein Thema von mir. Lange habe ich mich nicht gesehen und das war mir oft auch gar nicht bewusst. Es griffen andere alt eingespielte Mechanismen, die erst mal erkannt und dann durchbrochen werden mussten.
Häufig hatte ich Spiegel, die mir ziemlich offensichtlich zeigten, was die Botschaft für mich war. Oft erst sehr viel später konnte ich manche Situationen dann im Nachhinein für mich noch mal hervorholen und mit einem neuen Blickwinkel für mich auflösen.

Ein persönliches Beispiel, das ich in dem Moment nicht für mich greifen konnte und erst Monate später kam das innere Aha:
Es gab mal eine sehr heftige Begegnung. Da ging es unter anderem darum, dass mein Gegenüber für mich extrem und laut forderte: „Sieh mich, verdammt noch mal! Und hör mir zu!“ Immer wieder wiederholte die Person diese Bitte in diesem Gespräch. Sehr aufgebracht erreichte mich sehr laut ihre Bitte und ich sah, wie aggressiv sie war, mit welcher Wucht sie ihrer Forderung Nachdruck verlieh.
Ihr gegenüber habe ich gesagt: „Ja, ich sehe Dich und ja, ich höre Dir zu. Sag es, ich bin da.“

Wichtig ist ein Mechanismus, den ich hiermit darstellen will:
Meine 1. Reaktion war genau das, dass ich ihrer Bitte nach gegangen bin. Etwas, das ich gut kann. Etwas, das ich extrem gut kann und auf diese Extreme kommen wir hier gleich noch zurück. Das alte Muster übernahm die Führung. Nach dem Treffen ging es mir furchtbar schlecht, es war sehr anstrengend für mich und die Traurigkeit floss nur so aus mir – all das passierte, weil ich die Botschaft nicht verstand, ich konnte sie damals nicht sehen.

Entdeckst Du den inneren Vermittler und Diplomaten auch in Dir?

Sofort die Bedürfnisse der anderen sehen, die eigenen erst später. Fast bis zur völligen Unsichtbarkeit mir gegenüber kann ich Bedürfnisse der anderen sehen, bin der Vermittler, der Diplomat…Kommt Dir das vielleicht bekannt vor? Stimmst Du innerlich zu?

Wenn Dich einer um etwas bittet, dann schau, ob Du ihm die Bitte auch erfüllen kannst, soweit es Dir in diesem Moment möglich ist.

Aber vergiss eines nie: Die Bitte, die Dich erreicht, ist letztlich eine Bitte, die Du Dir selbst erfüllen solltest.

Dieses tiefe Wissen, die Erkenntnis, machte es mir möglich Monate später das damalige Treffen unter einem anderen Blickwinkel noch mal für mich anzuschauen und aufzulösen:
Das laute „Sieh mich, verdammt noch mal!“ war mein nie ausgesprochener Wunsch, dass ich gesehen werden möchte, dass ich mich selbst mehr sehen sollte, und mehr auf meine Bedürfnisse acht geben möge.
Weil ich diese Bitte selten bis nie an andere richtete und ebenso häufig in die Falle tappte, dass es der wichtigste Mensch in meinem Leben nicht tut: Und das bin ich!

In diesem Beispiel musste mein Gegenüber statt meiner so laut werden. Es sprach wütend das Gefühl aus, dass man es nicht sehe, es nicht höre – weil ich mich nicht erhört habe, weil ich meine Bedürfnisse nicht gesehen habe.

Siehst Du nun auch wichtige Stellverter für Dich in Deinem Leben?

Auch wenn es in der Situation selbst vielleicht schmerzvoll ist, aber sie übernehmen fehlende Anteile von Dir, um es Dir in einem extremen verzerrten Verhalten vor Augen zu halten. Sie sind Deine Erfüllungsgehilfen, sie sind Deine Lehrmeister und meist auch umgekehrt…

Die Bitte eines anderen ist die Deine an Dich! Das ist die Schlüsselbotschaft für Dich!

Keiner ist hier der Böse, weder der, der heftig Dinge von Dir einfordert, noch Du, der es bis dato zu wenig tut.
Sieh nur den Fingerzeig, den das Leben Dir schenkt. Je mehr Du bei einer Eigenschaft in dem einen Extrem verweilst, desto mehr erscheinen Dir Menschen im außen, die das andere Extrem leben. In Summe seid ihr auf einer nächst höheren Ebene in perfekter Ausgeglichenheit.
Diese Ausgeglichenheit ruft nur danach, dass Du sie in Dir selbst erweckst oder herstellst.
Wenn Du Dir selbst nun vorstellst: Wo hast Du Mitmenschen in Deinem Leben, die Bitten an Dich richten oder die für Dich ein extrem forderndes Verhalten ausleben? Was sagen sie Dir nun?

Manchmal reicht das Erkennen noch nicht ganz aus, weil alte Muster das Ausleben der neuen Erkenntnis noch verhindern. Dann sieh auch das. Das ist nicht schlimm, immerhin weißt es jetzt. Dies lädt Dich lediglich noch mehr dazu ein, zu erforschen, woran es ganz individuell bei Dir liegt. Und wenn Du magst, kannst Du es mit der Spiegelgesetz Methode heraus finden, warum es in Dir ein Verbot gibt, sich aus dem einen Extrem zu befreien und mehr in ein neues Gleichgewicht zu gehen.

Die Extreme in unserem Leben haben uns jedoch auch gute Eigenschaften herausbilden lassen. Sieh auch das und sei stolz darauf, worin Du Expertin geworden bist! Diese Eigenschaften verlierst Du nicht, wenn Du Dich Deinem Potential öffnest. Das einzige, was passiert, ist eine Erweiterung Deiner Selbst und Deiner Möglichkeiten, ein Ja zu allen Facetten, die durch Dich als Leben erfahren werden möchten.

Natascha Pfeiffer

Über Natascha Pfeiffer

Natascha Pfeiffer, Expansion Method Practitioner und Groupleader, Co-Founder der Agentur PRand communication in Wien. Einzel- und Gruppenarbeit in Wien und Augsburg und via Skype.